Das Schröpfen – ob mit Gläsern, Saugglocken oder über Feuer – ist in vielen naturheilkundlichen Praxen fest etabliert. Es wirkt durchblutungsfördernd, lösend und kann das Qi in Bewegung bringen. Doch wie bei jeder Therapie gilt: Wirkung und Sicherheit gehören zusammen. Eine neue Studie aus dem Fachjournal Complementary Medicine Research zeigt, dass es bei unsachgemäßer Anwendung auch zu ernsthaften neurologischen Komplikationen kommen kann.
Was genau wurde untersucht?
Ein internationales Forscherteam sichtete über 280 medizinische Veröffentlichungen zu Komplikationen beim Schröpfen. Übrig blieben 12 Fallberichte, in denen bei 14 Patienten schwerwiegende neurologische Störungen nach einer Schröpfbehandlung auftraten.
Betroffen waren sowohl klassische Schröpftherapien als auch Kombinationen mit anderen manuellen Verfahren (z. B. Chiropraktik oder Massage). Trotz der Schwere der Komplikationen konnten sich 11 der 14 Betroffenen vollständig erholen, meist nach chirurgischer oder medikamentöser Behandlung.
🩸Welche Komplikationen traten auf?
Die Studie dokumentiert u. a.:
- Blutungen (z. B. subdurale Hämatome oder Gefäßverletzungen im Bereich der Halsarterien)
- Entzündungen wie Meningitis oder epidurale Abszesse
- Taubheitsgefühle, Lähmungen, Schwindel oder anhaltende Kopfschmerzen
In den meisten Fällen war das Schröpfen nicht allein ursächlich – oft lag eine Kombination aus falscher Technik, zu starkem Unterdruck oder unzureichender Hygiene vor.
🌼Was bedeutet das für Heilpraktiker?
Obwohl solche Fälle sehr selten sind, zeigt die Studie, wie wichtig eine sorgfältige und verantwortungsvolle Anwendung dieser traditionellen Methode ist. Als Heilpraktiker:innen tragen wir die Verantwortung, unsere Patienten sicher und achtsam zu begleiten. Dazu gehört:
- Individuelle Risikoabwägung: Schröpfen niemals über empfindlichen Bereichen wie großen Gefäßen, Nervenausgängen oder offenen Hautstellen.
- Druck und Dauer anpassen: Je nach Konstitution des Patienten und Lokalisation.
- Hygienisches Arbeiten: Besonders wichtig bei blutigem Schröpfen oder bei vorbestehenden Infekten.
- Aufklärung der Patienten: Auch wenn Nebenwirkungen selten sind, sollten Symptome wie starke Kopfschmerzen, neurologische Ausfälle oder Fieber nach einer Behandlung ernst genommen werden.
- Dokumentation und Fortbildung: Jede Anwendung sollte nachvollziehbar festgehalten und regelmäßig durch Weiterbildungen begleitet werden.
Schröpfen bleibt wertvoll – mit Umsicht
Diese Studie ruft nicht zur Abkehr vom Schröpfen auf. Vielmehr erinnert sie uns daran, dass Tradition und moderne Sicherheitsstandards Hand in Hand gehen müssen. Wer achtsam arbeitet, anatomisch fundiert behandelt und seine Patienten gut aufklärt, kann die positiven Wirkungen dieser uralten Technik weiterhin sicher einsetzen – sei es bei Verspannungen, Rückenbeschwerden oder ausleitenden Verfahren.
Fazit:
Das Schröpfen bleibt ein kraftvolles Werkzeug in der Naturheilkunde. Die neue Studienlage unterstreicht, wie wichtig es ist, die Methode verantwortungsvoll, individuell angepasst und unter Beachtung möglicher Risiken anzuwenden. So bleibt die Therapie wirksam – und vor allem sicher.
Hinweis
Die Inhalte dieser Website dienen ausschließlich der allgemeinen Information. Sie stellen keine medizinische Beratung, Diagnose oder Therapieempfehlung dar und ersetzen keinesfalls die individuelle Betreuung durch einen Arzt oder eine andere qualifizierte medizinische Fachperson.
Bitte beachten Sie, bei gesundheitlichen Beschwerden oder Fragen wenden Sie sich immer an einen Arzt oder eine andere entsprechend qualifizierte Fachkraft.
Quelle:
Daneshfard B. et al. (2025): Neurological Complications of Cupping Therapy: A Comprehensive Review. In: Complementary Medicine Research, Vol. 32, No. 2, pp. 151–159. DOI: 10.1159/000543511
Schreibe einen Kommentar